Von Stallwang nach Wörth.a.D

Am Christihimmelfahrtstag geht es getrieben vom Böhmischen Wind (fast kalt aber mit bester Sicht) auf dem Ostbayerischen Jakobsweg von Stallwang über Haunkenzell und Pilgramsberg nach Wörth an der Donau. In wenigen Tagen heißt es ja weiter auf dem Weg zum Ende der Welt durch die Schweiz. Da muß der Ernstfall schon einmal simuliert werden!

Wie zwischen Stallwang und Haunkenzell bieten sich auf der ganzen Strecke weite Ausblicke zurück über den Bayerischen Wald und in das tiefe Donautal. Die Vöglein zwitschern und hüpfen von Ast zu Ast. Der Duft von frischem Heu liegt in der Luft. Das Jauchen wird erst die nächsten Tage beginnen. Zum Jauchzen!

In Haunkenzell steht ein Maibaum und neben der aufwendig renovierten Kirche noch die verfallene wahrscheinlich vergessene alte Hofmark. Ein eindeutiger Beweis wer hier das Sagen und das Geld hat!

Vor dem Auftstieg zum Pilgramsberg kann man sich einen Blick zurück nach Haukenzell nicht verwehren. Mitten in der Wiese steht da ein Haufen von Grünkitteln, die hier offensichtlich vor einem Lieferwagen Jagdrat halten.

Ein besonderer Altar mit einem Lobpreis auf die Freuden des Wandern steht am Wegrand. Da kann man nur beistimmen: “So ist es!”.

Verwitterte Steinkreuze zeugen von einem alten Kreuzweg. Wie lange mögen hier schon Mensch aus welchen Gründen auch immer den Berg hochgehen?

Die Idylle trügt: die steile Treppe hoch zur Wallfahrtskirche ist im Wald verborgen. Da hots ma an Dampf ausse kaut.

Oben angekommen belohnt freilich wieder ein weiter Ausblick. Den Bogenberg muß ich mir jetzt auch mal vornehmen!

Das Studium der Votivtafeln in der Kirche wird leider durch die angebrachten Gitter behindert. Anhand ihrer Anzahl scheint die Gottesmutter oft geholfen zu haben. Sogar für das Überleben bei einem Raserunfall mit einem Opel wird gedankt!

Beim Rückblick zum Pilgramsberg kann ich schon verstehen, daß es sorgende Menschen immer wieder zu diesen quasi außerirdischen Flecken zieht. Vielleicht auch nur um kurz zu vergessen!

Viele an Menschen interessierte Pferde begegnet man auf dem Weg. Wäre die Jagdgenossenschaft nicht gewesen nahezu die einzigen Kontakte zu höher entwickelten Säugetieren! Überraschenderweise sind nicht einmal Kühe auf den vielen Wiesen.

Dann haben die Jakobswegdesigner wieder zugeschlagen! Kann ich die Umleitung über die Wiesenfelder Brücke noch verstehen, so stinkt mir die damit verbundene spätere Rückführung an ein Wirtshaus mit ein paar extra hundert Metern doch ganz gewaltig. Selbst wenn man an die 30 km läuft, kommt es auf ein paar überraschend unnötige Meter schon noch an!

Nochmal ein kurzer Abstieg und Anstieg. Dann geht es nur noch immer leicht fallend einem Bach entlang bis nach Wörth.

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Schlehenblüte zwischen Dietfurt und Beilngries

Der Frühling beginnt wenn die Schlehenhecken ihr weißes Blütenkleid anlegen. Ansonsten eher unscheinbar prägen sie mit einem Schlag für kurze Zeit das Bild an den Jurahängen um das Altmühltal. In jedem Jahr ein faszinierendes Anblick, der die letzten müden Geister vertreibt und für Aufbruchstimmung zu neuen Outdooraktivitäten sorgt!

Eine intensive Begegnung mit dem Gewächs verspricht eine Tour an der Hochfläche zum Nordrand des Ottmaringer Tals um Mallerstetten und an den Südhängen des Arzberges zwischen Dietfurt und Beilngries. Das Geotop um den Kottingwörther Steinbruch mit seinem Mikroklima scheint besonders prädestiniert.

Vom Parkplatz an der Dietfurter Volksschule geht es Richtung Freibad. Gleich nach dem Ortsrand ist auf einem Ackerrain eine dicke Heckenkolonie angesiedelt, die dem Flurbereinigungswahn (noch) nicht zum Opfer fiel. Noch ist es den Blütenblättern zu kühl, um voll aufzugehen. Dagegen befindet sich die darin lebende Vogelwelt im höchsten Schwang der Gefühle, der letzten Endes in der Erhaltung der Art resultiert. Einen Neuntöter, der Mäuse vor dem Verzehr an den Dornen aufspiest, sehe ich nicht. Aber dafür Kohlmeisen in Massen!

Über das Gebüsch hinweg gleitet der Blick Richtung Töging in das Altmühltal. In ungefähr vier Stunden werde ich von dort nach Dietfurt zurückkehren.

Zunächst steige ich aber auf die Jurahochfläche in der Nähe von Mallerstetten auf. Der Anstieg ist geeignet, die Kondition für die in der nahen Zukunft anstehenden Aufgaben zu fördern. Dort belohnt(?) von weit der Götschberg mit seinem markanten Sendeturm.

Am lichten Waldrand entlang geht es westwärts. Die vielen hohen Föhren in abwechselnden Licht und Schatten sorgen für ein mediteranes Feeling. Allein die Hecken im Unterholz scheinen noch nicht genug Sonne abbekommen zu haben und sind noch nicht so richtig bereit, ihre Blüte zu entfalten.

Dann geht es bergab. An einem Golfplatz erreichen wir die Talsohle bei Beilngries. Millimeter genau zurecht gestutzt dienen die Hecken dazu, die einzelnen Felder voneinander abzutrennen. Immer wieder lächerlich, wenn die Gestalten ihre Wägelchen wichtigtuerisch über die Greens ziehen.

Über eine Brücke mit den charkteristischen Kalksteinblöcken geht es über den hier trocken gelegten alten Ludwig-Donau-Main-Kanal. Irgenwann holt sich die Natur alles wieder zurück.

Schloß Hirschberg grüßt und kündet vom nahen Beilngries.

Unter Wahrung der höchsten Disziplin gelingt es, Beilngries zu passieren, ohne eines der vielen verlockenden Gasthäuser aufzusuchen. Stattdessen verzehre ich meine zwei Vollkornbrötchen mit Frischkäse auf einem Stein sitzend in der Nähe des Beilngrieser Flugplatzes EDNC. Mich fasziniert, wie einfach sich der Traum vom Fliegen mit einer Seilwinde auf einer langen Wiese, einem alten Golf zum Rückholen derselben, und natürlich einem Segelflieger erfüllt. Nur mit viel guten Willen kann ich das Beobachtete mit den Bernoulischen Gleichungen in Verbindung bringen.

So gestärkt erfolgt der Aufbruch zum nahen Kottingwörth. Den Besuch der romanischen Bilder in er dortigen Kirche erspare ich mir diesesmal. Stattdessen geht es direkt zum gegenüberliegenden Arzberghang in den zum Geotop erklärten Kottingwörther Steinbruch .

Dort finden die Schlehenhecken idealle Bedingungen. Ncht umsonst stehen sie dort in schon voller Blüte. Schmetterlinge laben sich an ihrem Nektar.

Im Steinbruch läßt sich die Entwicklung des Lebens während Millionen von Jahren in einmaliger Weise nachvollziehen.

Der Abstieg nach Töging erfolgt über einen wenig benutzten Weg. Manche Dornenranke läßt mich stolpern.

Vielleicht sollte ich den Weg nächste Woche nocheinmal gehen. Bis dahin wird sich hier in der Natur eine Menge tun.

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Im Schnee um den Habsberg

Ein Vernünftiger bleibt bei diesem Wetter zu Hause und fährt nicht auf glatten Straßen durch die halbe Oberpfalz zum Wandern auf den Habsberg. Aber nur vernünftig zu sein, ist auf die Dauer langweilig. Und am Habsberg scheint mir heute irgendwie der Schnee am weißesten, am tiefsten, am jungfäulich reinsten …

Von Prönsdorf soll es losgehen. Auf dem Weg dorthin entgehe ich nur knapp einem Zusammenstoß mit dem Jeep eines amerikanischen Spätbesatzers, der auf Teufel komm raus die freie Spur auf meiner Fahrbahnseite beansprucht und sich nicht in den Matsch auf seiner Seite traut. Wahrscheinlich ein nur Sonne gewohnter Kalifornier, den sie auf dem Truppenübungsplatz für Afghanistan oder vielleicht schon für den Iran vorbereiten. Na, hoffentlich hat es dort wenigstens keinen Schnee!

Die Parkplatzsuche in Prönsorf gestaltet sich schwierig. Meinen Hecktriebler will ich nicht einfach so an einer Stelle mit uneinsehbaren Untergrund abstellen. Es könnte schwierig werden wieder auf die Fahrbahn zu kommen. Da ist auch schon das Ortsende und ich will an einem wirklich nur leicht geneigten, zwar ungeräumten Abzweig wenden. Kein Problem!

Doch ich glaube es kaum: plötzlich folgt das Hinterteil nicht mehr dem Vorderteil, sondern bewegt sich stattdessen tangential auf dem Straßengraben zu. Uns schon sitze ich fest! Immerhin kann ich diesmal ohne Bedienungsanleitung die elektronische Schlupfriegelung abschalten. Aber jeder weitere Befreiungsversuch bringt mich nur noch tiefer in den Graben. Jetzt habe ich genau das erreicht, was ich in jedem Fall vermeiden wollte.

Doch siehe da! Es eilen schon drei hiflsbereite Landwirte ungefragt aus ihren Kühställen herbei und befreien mich mit einem kurzen Ruck aus der prekären Lage.

Jetzt kommt nur noch ein geräumter Parkplatz in Frage. Den finde ich endlich auf dem Habsberg. Dann starte ich eben von da. Wird schon gleich nicht soviel herhauen, daß ich von da oben nicht mehr runterkomme.

Gleich vom Parkplatz geht es in den Wald. Heute bin ich der erste, der seine Spur in die eine unberührte frische Schneedecke setzt. Nichts und niemand stört die Stille. Schneeluft sauber, frisch und trotzdem irgendwie duftend wie in Norwegen nördlich des Polarkreises!

Es geht bergab nach Thürsnacht. Auch auf dem Weg von dort nach Prönsdorf war heute noch niemand. Erst kurz vor dem Schauplatz meines Heckantriebmalleurs taucht ein Fendt mit drei Personen auf. Ein Vater scheint mit seinen Kindern auf einer Lustfahrt durch den etwa fünfzehn Zentimeter tiefen Pulverschnee. Die einzigen Wesen, die mir bis zum Habsberg begegnen!

Am Ortseingang begutachte in aller Ruhe nocheinmal die Spuren, die ich hinterlassen habe. Das einzige Dreckloch weit und breit! Ausgerechnet von mir!

Auch in Prönsdorf keine Menschenseele auf der Dorfstraße! Nichtmal in den Kuhställen!

Danach spitzt auch schon der Kirchturm der Wallfahrtskirche auf dem Habsberg hinter den Waldrücken hervor. Der Weg dorthin fordert dann aber doch einmal das Herz-Kreislaufsystem.

Die Abfahrt vom Habsberg erweist sich als unproblematisch.

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